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Wohngebäudeversicherung nach der Sanierung

16.03.2015 – portfolio international 

Hans Pfeifer

Die Wohngebäudeversicherer räumen in den Beständen kräftig auf, erhöhen Prämien und Selbstbehalte und wollen schlechte Risiken­ möglichst loswerden. Für Hausbesitzer ist die verbundene Wohngebäudeversicherung unverzichtbarer denn je, sie werden sich aber dauerhaft auf deutlich höhere, weil risikogerechtere Prämien­ einstellen müssen.

Orkan „Elon“, der in der zweiten Januarwoche des neuen Jahres über Deutschland hinwegbrauste, brachte so viel Stromenergie, wie etwa 25 Atomkraftwerke erzeugen, so meldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Was Fans regenerativer Energien begeistert, lässt Wohngebäudeversicherern die Haare zu Berge stehen: abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, demolierte Autos – Schäden in Millionenhöhe. Dabei kommen sie bei „Elon“ noch vergleichsweise glimpflich davon, gemessen beispielsweise an den Schäden der Sommergewitterstürme aus dem Jahr 2014.

„Die Schadenbilanz 2014 fällt im Vergleich zu 2013 zwar besser aus, aber das Jahr 2014 zählt zu den fünf folgenschwersten Sturm- und Hageljahren seit 1998. Laut dem GDV zahlten die Versicherer 2014 rund zwei Milliarden Euro für die Folgen von Naturgewalten aus. „Der Gewittersturm ‚Ela’ zählt zu den schlimmsten Unwettern der vergangenen Jahrzehnte in Nordrhein-Westfalen und ist der zweitgrößte Sommersturm der vergangenen Jahre, nur das Hagelunwetter ‚Andreas’ 2013 war teurer“, sagt Heinz Walter Berens, Vorstandsvorsitzender der Grundeigentümer Versicherung VVaG.  

Der Klimawandel verwüstet auch die Bilanzen der Wohngebäudeversicherer. So lag die Schaden-Kosten-Quote im Jahr 2013 bei fast 135 Prozent, 2014 wird sie voraussichtlich 106 Prozent betragen. Die Wohngebäudeversicherer haben deshalb die Notbremse gezogen. Seit rund zwei Jahren sind Gebäudeeigentümer schon dem Sanierungsdruck der Versicherer ausgesetzt.  Einige Versicherer betreiben das Geschäft kaum noch aktiv, andere kündigten Altverträge und boten Neuverträge mit höheren Beiträgen und Selbstbehalten an. Die Gangart im Wohngebäudegeschäft ist rau. Bei Neuverträgen sind die Versicherer darauf bedacht, nur noch „gute“ Risiken einzukaufen. Keine Seltenheit ist es, dass Versicherer Anträge ablehnen, wenn den Kunden zuvor bereits von einem anderen Versicherer gekündigt worden ist oder wenn es Vorschäden an dem Gebäude gab. Die Fragebögen, mit denen Antragsteller Auskunft über die Substanz und den Zustand ihrer Gebäude machen müssen, werden immer länger. Vor allem bei älteren Gebäuden ist nur noch Versicherungsschutz zu bekommen, wenn die Kunden Zugeständnisse bei der Versicherungsprämie und bei den Selbstbeteiligung machen, wissen Versicherungsmakler.

Leitungswasser ist das größte Risiko
Doch es sind nicht allein die Naturgefahren, die den Versicherern die Bilanzen verhageln und bei Versicherten die Prämien treiben. Eines der größten Risiken lauert unsichtbar, still und leise in den Wänden und unter Putz: marode Wasserleitungen. Im Jahr 2013 haben die Versicherer für 1,1 Millionen Leitungswasserschäden über zwei Milliarden Euro an ihre Kunden zahlen müssen. In strengen Wintern, wie beispielsweise 2012, entstehen zehn Prozent und mehr der Leitungswasserschäden durch Frost, teilte der GDV mit. „Nach wie vor ist das größte Problem in der Wohngebäudeversicherung die Sparte Leitungswasser. Das ist aber nicht weiter erstaunlich, da beim immer älter werdenden Gebäudebestand die Rohrsysteme sanierungsbedürftig werden und Präventionsmaßnahmen durch den Gebäudebesitzer nicht konsequent durchgeführt werden, weil die Schäden durch die Leitungswasserversicherung gedeckt sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Material- und Handwerker- beziehungsweise Baukosten seit Jahren steigen“, beschreibt Heinz Walter Berens die Situation.

Neben zunehmenden Naturgefahren und maroden Leitungen hat auch der Wettbewerb den Versicherern zugesetzt. Preiskampf und immer neue beitragsfreie Deckungserweiterungen haben die Ausgaben aufgebläht und die Einnahmen erodieren lassen. Üblich sind die Mitversicherung von Grundstücksbestandteilen, die nicht Teil des versicherten Gebäudes sind, wie beispielsweise Zäune und Beleuchtung, Überspannung durch Blitzschläge, Feuernutzwärme-Schäden, Aufräumkosten für Bäume, Verzicht auf Leistungskürzungen bei grober Fahrlässigkeit, Mitversicherung von Photovoltaikanlagen auf dem Hausdach oder von austretender Flüssigkeit aus Klima-, Wärmepumpen oder Solarheizungsanlagen, die Entschädigung für Mehrkosten bei behördlichen Wiederherstellungsbeschränkungen sowie teilweise großzügige Erstattungen für Aufräum- und Dekontaminationskosten. In der Vergangenheit hatten sich die Versicherer gegenseitig darin überboten, immer neue Extras aus dem Hut zu zaubern.