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Leitungswasserschaden bei innerhalb des Gebäudes verlegter Regenwasserleitung?

08.04.2015

Von einer im Sinne der Wohngebäudeversicherung innerhalb des Gebäudes verlegten Regenwasserleitung ist auszugehen, wenn diese sich innerhalb des räumlichen Bereiches befindet, der durch Wände, Dach und Boden vom Bereich außerhalb des Gebäudes abgegrenzt wird. Das ergibt sich aus einem Urteil des Landgerichts Wuppertal (LG Wuppertal, 28.08.2014 – 9 S 22/14).

Der Fall

Im Haus des Klägers war es zu einem Wasserschaden gekommen. Der beklagte Versicherer hielt den Beweis nicht erbracht, dass der Schaden durch Regenwasser verursacht worden war, das aus einer innen liegenden Regenwasserleitung ausgetreten war. Als innen liegende Dachrinne sei nämlich eine solche zu verstehen, die innerhalb des Mauerwerkes liege und keinen freien Ablauf zu einer Seite ermögliche. Hiergegen ging der Kläger gerichtlich vor. Mit Erfolg.

Die Entscheidung

Nach Meinung des Landgerichts stand der Klägerin die geltend gemachte Hauptforderung aus dem Versicherungsvertrag mit der Beklagten zu. Der Versicherungsfall war eingetreten. Es handelte sich um einen Leitungswasserschaden im Sinne von § 1 Nr. 1 a) bb) VGB 2008 i.V.m. Klausel 7960. Danach sind auch Schäden durch Regenwasser versichert, sofern dieses aus Regenwasserleitungen austritt, die innerhalb des Gebäudes verlegt sind.

Diese Voraussetzungen lagen hier vor. Aus versicherungsrechtlicher Sicht handelte es sich um eine innerhalb des Gebäudes verlegte Regenwasserleitung, weil sie sich innerhalb des räumlichen Bereiches befunden hatte, der durch Wände, Dach und Boden vom Bereich außerhalb des Gebäudes abgegrenzt war. Die Regenrinne befand sich eindeutig unterhalb der Krone der aufsteigenden Giebelmauer und innerhalb der von ihr umgrenzten Baufläche.

Der Schaden war auch hinreichend sicher im Sinne von § 286 ZPO (Zivilprozessordnung) durch aus der Regenrinne austretendes Wasser verursacht worden. Ein Versicherungsfall ist nämlich schon eingetreten, sobald auch nur ein Teil des auf der Dachterrasse niedergegangenen Wassers in die Regenrinne gelangt und von dort durch die mangelhafte Abdichtung in das Gebäude eindringt. Der eingeschaltete Sachverständige hatte hierzu in seinem Gutachten ausgeführt, die nachträglich aufgebrachte Abdichtung am nördlichen Rinnenende zeige, dass Undichtigkeiten an der Abdichtung der aufgehenden Wand im Bereich des Rinnenendstückes beim Überlauf der Rinne, z.B. infolge starker Regenereignisse, Verstopfungen des Fallrohrs durch winterliche Eisbildung oder Laub usw. zu dem Wasserschaden geführt hatten.

Nach § 13 VGB-2008 sind bei beschädigten Gebäuden oder sonstigen beschädigten Sachen die notwendigen Reparaturkosten bei Eintritt des Versicherungsfalles zu ersetzen.

Quelle: Versicherungspraxis24